Der Kontinentale Supergau

Um die auf den Sommerfreizeiten geschlossenen Beziehungen zu pflegen, waren wir Bensheimer außenpolitisch - sprich bei dem alljährlichen Lehrgang auf Burg Breuberg und auf dem Frola Vorbereitungstreffen - gut vertreten. Dabei hatten Marc, Robin, Marcelo und ich nur eine Mission zu erfüllen: Wir mussten jegliche größere Aufgabe und Arbeit für das kommende Frola von unserem Regiozentrum fernhalten, denn wir hatten uns die letzten Jahre genügend engagiert. Das Motto des nächsten Frolas sollte „Dabei sei ist alles“ lauten. Die Spielidee waren um ein Jahr verspätete Olympische Spiele, Olympia verrückt sozusagen.

Nach zähen Verhandlungen konnten wir die vom Chief vorgegebenen Ziele durchsetzten, allerdings nur unter schweren Verlusten: Südhessen bildete zusammen mit Mittelhessen den Kontinent Afrika. Für unseren afrikaabgeneigten Chief ein Supergau. Jede Ortsgruppe sollte ein Land repräsentieren, wir entschieden uns für die Republik Südafrika, zu Zeiten der Apartheid, versteht sich.

Die Platzbedingungen in Westernohe waren dann auch eher afrikanisch als westeuropäisch. Alle Gruppen mussten am Aufbautag ganz spontan die Plätze tauschen, weil zeitgleich zum Frola noch zwei weitere Veranstaltungen stattfanden. Der Platz hatte seit Pfingsten komplett unter Wasser gestanden, wir zelteten auf einem stinkenden Komposthaufen. Davon ließen wir uns aber nicht irritieren. Dank der Regioküche (Main-Kinzig, Reinheim, Mühlheim, Bensheim) und unsere aneinander gebauten Jurten von Reinheim und Bensheim entwickelte sich schnell ein sehr angenehmes Lagerleben.

Das Frola entfaltete seine typische Eigendynamik als die ersten Olympischen Wettkämpfe stattfanden. Bei den abendlichen Treffen in der Arena versuchte jeder Kontinent die anderen mit seinen Liedern und Schlachtrufen zu übertönen. Wir riefen: „Wer sind die Besten? Af-ri-ka!!!“ Zugegeben nicht sehr einfallsreich, aber zutreffend. Bis auf vier oder fünf Medaillen gingen alle an Afrika, eine sehr beeindruckende und vielumjubelte Leistung. Anstelle des ansonsten traditionellen Orientierungslaufs hatten sich auf dem Vorbereitungstreffen Genia, Marcelo, Robin und ich Aufgaben für das 6-Stunden Spiel überlegt. Einige mussten Kontinente übergreifend gelöst werden, so sollte zum Beispiel jeder Kontinent aus Scoubidou Bändern ein Ring aus seiner Farbe herstellen. Bei der nächsten Abendveranstaltung wurden dann die Olympischen Ringe aus meterlangen Bändern zusammengelegt. Einzelaufgaben waren das kontinentale Wahrzeichen, bei uns ein in mühevoller Handarbeit von Torsten gemachter Elefant; ein Gedicht bzw. Lied auf das Wahrzeichen, das stammte natürlich von mir und wurde von einigen Main-Kinzigern Mädels und mir auf der Bühne vorgetragen. Dann noch der Wettbewerb um das längste Frolastockbrot, den wir unter Führung von Chief Harald und Chief Sebastian mit 3,60 Metern gewannen, keine Zehn Zentimeter vor den Asiaten (Region Rhein-Main). Es gab noch viele andere kleine Aufgaben die bewältigt werden mussten.

Der Höhepunkt des Frolas war der Marathonlauf bei strahlendem Sonnenschein am Freitag nachmittag. Eine Runde war 800 Meter lang und beinhaltete durchaus krasse Steigungen. Jeder Kontinent entsendete eine Staffel, die insgesamt 42 Runden laufen musste. Die Strecke führte quer durchs Lager, wie bei den echten Spielen war die Rennstrecke gesäumt von Fans und Zuschauern. Nach einer Viertelstunde kristallisierte sich ein Kopf an Kopf Rennen zwischen den Amerikanern (Marienhöhe und Zentis) und uns Afrikanern heraus. Nach einer Stunde hatte Amerika fast schon eine Runde Vorsprung, denn sie hatten für jede Runde frische Leute eingesetzt, während bei uns schon längst jeder zweimal gelaufen war. Zudem vielen bei uns immer mehr Läufer aus, so auch der Robin, das Rennen forderte große Opfer. Wir mobilisierten die letzten Reservisten und starteten eine aussichtslos erscheinende Aufholjagd. Derweil kam es zu zeitraubenden Unstimmigkeiten bei den Amerikanern. Drei Runden vor Schluss hatten wir furios und stark umjubelt die Amerikaner einkassiert.

Teamkapitän Axel entschied sich für eine sehr ehrenwerte Lösung, in der letzten Runde lief er, nach knapp zwei Stunden Rennzeit, mit dem amerikanischen Schlussläufer Hand in Hand über die Ziellinie – zur Freude aller Beteiligten.

Weitere Premieren auf diesem Frola war der Besuch des Bauchredners Patrick Martin und ein ausgiebiges Sportlerbrunch am Samstagmorgen unter Beteiligung aller Kontinente. Der Bunte Abend hingegen war ein totaler Flop und verdient keine weiteren Kommentare. Dennoch war das Frola insgesamt ein einmaliges Erlebnis. Aus dem kontinentalen Supergau wurde eine afrikanische Supergaudi.