Das 24 Stunden Spiel

Das Frola 2003 war durch das 24-Stundenspiel gekennzeichnet, das als OL Ersatz geplant war. Außerdem war unser Regiozentrum, zu dem jetzt auch Offenbach gehörte, für den Gottesdienst zuständig, was uns folgende Rollen einbrachte: Richard spielte Martin Luther, Sandra und ich waren ein mittelalterliches Händlerehepaar, unser Freund Harald wurde wegen des verbotenen Bibeldrucks an den Pranger gestellt, der Gerichtsvollzieher Robin las das Urteil vor und der Rest der Gruppe durfte Harald mit Wasserbomben bewerfen. Die etwa 800 Zuschauer in der Arena tobten, nur mir war der ganze Auftritt von vornherein irgendwie peinlich. Denn unser bester Schauspieler Marc hatte sich für ein Jahr in die USA gemacht und verpasste das letzte und dieses Frola, weswegen mir diese Aufgabe zukam.

Die Spielidee des 24-Stundenspiels war es, dass alle Regiozentren während der einzelnen Spielphasen binnen kürzester Zeit bestimmte Aufgaben erfüllen mussten. So bauten wir in der Rekordzeit von nur 4 Stunden einen 10 Meter hohen Turm, mit zwei Plattformen einer Schaukel, zwei Bänken und einer Strickleiter bis oben hin, doch das war nur der Anfang. Ständig bekamen wir neue Aufgaben die es zu bewältigen gab: Aus Kartoffeln Druckletter schneiden und einen Bibelvers damit drucken, ein Zelt mit mindestens 10 Quadratmetern überdachtem Raum zum Ausruhen bauen, 9 Wimpel basteln, mit den anderen 8 Regiozentren ihre Wimpel tauschen und an unseren Fahnenmast hissen, ein Holzschild mit dem eingebrannten Namen unseres Regiozentrums herstellen, mit einem Flitzebogen ein Feuer anmachen und eine biblische Geschichte mit unseren Jupfis als kleines Theaterstück aufführen. Für mich als Inschi gab es unheimlich viel zu tun, mussten wir doch diese Aufgabe unter größtem Zeitdruck erledigen. Als sich der Nachmittag seinem Ende neigte waren wir alle recht platt.

Doch da erhielten wir die absolut härteste Aufgabe: Um 9 Uhr morgens musste ein Altar aus mindestens 10 Rheinsteinen aufgebaut sein, ab 6 Uhr würde eine Abteilung des Orgateams am Rheinufer stehen und die Steine vor dem Abtransport markieren. Als ich mich auf dieses Unternehmen einließ, musste ich wohl nicht ganz bei Trost gewesen sein. Um 4 Uhr wurden Henning, Marcelo, ich, Sailor, Verena und ein paar kleine, aber absolut abgehärtete Reinheimer Jupfis, von der Nachtwache geweckt, unsere Wanderung startete noch im Dunklen und bei miesem Nieselregen. Nach einer anstrengenden aber lustigen Wanderung erreichten wir tatsächlich um 6 Uhr das 10 Kilometer entfernte Rhens, das am Samstagmorgen einer Geisterstadt glich. Es war schon unheimlich durch die Stadt zu ziehen und keine Menschenseele zu treffen.   

Nachdem wir am Rhein die Steine geladen hatten, mussten wir den mühsamen Weg, 10 Kilometer samt 300 Höhenmeter, zurück ins Lager marschieren. Obwohl wir mit den Steinen im Rucksack langsam vorankamen, schafften wir es um Punkt 8 Uhr im Lager zu sein. Zu meinem Entsetzten war das Frühstück, das mir Ellen versprochen hatte, noch nicht fertig. Immerhin wurde der Altar rechtzeitig fertiggestellt.