Die Waldaffäre

Für die Mittelrheinische Vereinigung war dies ein besonderes Jahr. Denn mit dem einmaligen SDV-Camp fand zum ersten Mal ein Lager mit Pfadis aus Hessen, Saarland, Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg, also dem kompletten Süddeutschen Verband statt. Zu diesem Event reiste extra der Vorsteher der Euro-Afrika-Division Muganda ins beschauliche Reinwarzhofen um auf Englisch die Predigten zu halten. Er hat sich mit Sätzen wie „Take your hand and put your hand in the hand of Jesus Christ“ in unsere Seelen eingebrannt.

Stefan trumpfte in seinem Amt als Ersatzchief so richtig auf, mittlerweile kannte er sich mit Knoten jeglicher Art aus. Er schaffte es aus vollkommen nassem Holz binnen kürzester Zeit ein Feuer zu machen. Da es beim Camp keinen OL gab, bot er uns an, das Orientierungsabzeichen zu machen. Für mich als Inschi war das ein absolutes Muss. Claudia, die beruflich Architektin ist, übernahm den Part, bei dem wir für die Prüfung eine topographische Karte anfertigten sollten. Meine Karte war so gelungen, dass man mich auf dem Camp nur noch ehrfurchtsvoll Diplom-Inschi nannte.

Das Jahr 2001 brachte auch für uns Bensheimer einen großen Einschnitt in unsere bisherige Geschichte. Die Rottachs waren nach Augsburg umgezogen und so fehlten uns einige altgediente Pfadis. Chief Harald konnte nicht auf das Camp mitfahren, die Führung übernahm Ersatzchief Stefan. Steffi hatte ihren Freund Christopher mitgenommen, eine folgenschwere Entscheidung, wie sich zeigen sollte. Denn hiermit gab es einen perfekten Zankapfel. Die prinzipientreue und unnachgiebige Claudia wollte beide keinesfalls alleine aufs Klo oder sonst wohin gehen lassen. Trotz dieses ausdrücklichen Verbotes genehmigten ihre Eltern Fredie und Christel einen Ausflug in den Wald. Als das ans Tageslicht kam, war die Waldaffäre perfekt. Ersatzchief Stefan stand auf telefonische Anweisung des richtigen Chiefs auf Seiten seiner Frau. Der Rest der Gruppe versuchte sich so neutral wie möglich zu verhalten.   

Die ganze Angelegenheit artete dann nach dem Camp im heimischen Bensheim besonders in der Gemeinde weiter aus. Auf beiden Lagern gab es Verleumdungskampagnen gegen den politischen Gegner. Chief Harald konnte angesichts der verhärteten Fronten wenn überhaupt nur kurzfristig Frieden schaffen. Alle Vermittlungs- und Versöhnungsversuche scheiterten. Dies zog den Rücktritt von Fredie, Christel und Claudia mit sich, ein halbes Jahr darauf folgten Steffi und Stefan. Ein trauriges Resultat, hätten doch bei einem Friedensschluss beide etwas davon gehabt. Doch so hatte sich sowohl die Groh-Sippe als auch die Ferbers in grober Weise fehl verhalten, weshalb im Nachhinein alle als schuldig betrachtet werden müssen. Diese Eskalation wäre niemals nötig gewesen.

Nach der Sommerkrise waren wir Bensheimer auf die Hälfte der ursprünglichen Gruppenstärke dezimiert. Zeitweise waren wir nicht mehr als 10 Pfadis. Das es bei dem SDV-Camp keinen OL gab, bei dem wir uns - wie die letzten Jahre auch - hätten blamieren können, fiel angesichts dieser schlechten Ereignisse komplett unter den Tisch.