Die grosse Strumflut

Aus bis heute ungeklärten Ursachen hatte ich das Frola 1995, an dem wir Bensheimer als Gruppe zum ersten Mal teilnahmen, verpasst. So geschah es, dass das erste Zeltlager, bei dem ich mitfuhr, das Frola 1996 im Brexbachtal war. Dieses Tal hatte eine maximale Breite von 100 Metern und war nicht zuletzt wegen einer alten Bahnlinie und eines Baches sehr gemütlich und idyllisch gelegen. Nur die längeren Märsche durchs Minital von einem zum anderem Zeltplatz, zur Toilette oder zum Großzelt nervten. Mit dabei waren Rene, Chief Harald, Ferbers, die Falter Family, die Rottachs, Marc und Robin, sowie einige Freunde.

Für mich war das Lagerleben eine ganz neue Erfahrung: Zeltaufbau, Feuer machen, Orientierungslauf (OL) - bei dem wir übrigens auf ganzer Linie versagten - und Lagerolympiade, bei der wir immerhin Dritter wurden, waren mir vorher unbekannt gewesen. Meine Freizeit verbrachte ich damit, den Rest der Gruppe beim Schachspiel abzuziehen, oder meiner zweiten Leidenschaft, dem Kokeln, nachzugehen.

In allen Gruppen fand der Bau von Staudämmen am benachbarten Bach großen Anklang. Nach zwei Tagen konnte nicht mehr von einem Bachlauf, sondern von vielen kleinen Seen gesprochen werden. An jeder Lagergrenze befand sich ein steiniger Damm samt kleinem Stausee. Dieser wurde zum Baden, Planschen oder Getränkekühlen verwendet.

Die ganzen Tage über, von Mittwoch bis Samstag war das Wetter warm und sonnig gewesen. Doch just während des Bunten Abends am Samstagabend geschah die Katastrophe, ein plötzlich über uns hereinbrechendes Gewitter sorgte dafür, dass der Bach bzw. die Stauseen überliefen. Zahllose Zelte, die mangels Platz in unmittelbarer Bachnähe standen, wurden überflutet. Noch während des Bunten Abends, gegen 22 Uhr, wurde ein Teamersonderkommando gebildet, dessen Mission es war, sämtliche Stauseen zu zerstören. Die nicht beneidenswerten Teamer versuchten im strömenden Regen, meistens erfolglos, den Schaden in Grenzen zu halten. 

Doch wir Bensheimer - noch relativ glimpflich davon gekommen, nur unser Küchenzelt stand wenige Zentimeter unter Wasser - sollten am Sonntag, dem allgemeinen Abbautag, unser blaues Wunder erleben. Das Schicksal wollte es so, dass unsere Nachbarn flussaufwärts die Reinheimer waren. Der auf Konfort bedachte Andre hatte sich einen großen Swimmingpool angelegt, doch nun musste das Wasser irgendwie entsorgt werden. Die Lösung lag auf der Hand: Swimmingpool einfach umdrehen und das Wasser in den Bach laufen lassen. Diese Aktion war aber recht ungeschickt erfolgt, sodass das Wasser statt in den Bach, direkt in unser Zeltlager lief. Nun hieß es bei uns geschlossen: „Land unter“. Der Ärger ließ nicht lange auf sich warten, der Chief und Andre kamen fürchterlich aneinander.

In der Öffentlich wurde der Streit zum Glück nicht ausgetragen, man traf sich einige Zeit später zu einer Aussprache. Hier zeigte sich, was dem Einen beim Anderen stinkte, nämlich alles. Aus dieser Gemeinsamkeit machte man eine Tugend, aus Feinden wurden gute Freunde. Bis heute sind Bensheimer und Reinheimer befreundet; verblüffend, was ein Streit alles anrichten kann.