Der abgefahrenste OL aller Zeiten

Das Frola 2004 fand in Hauenstein, das in der Nähe des historischen Trifels liegt, statt. Wir Bensheimer Teamer waren schon frühzeitig in die Planungen eingebunden. Ellen, Marc und ich besuchten im Oktober das Fortbildungswochenende auf der Burg Breuberg. Im Frühjahr trafen sie viele Teamer auf einem Vorbereitungstreffen in Neustadt.

Chief Harald, Marc und ich fuhren schon einen Tag früher als Vorauskommando oder Aufbauteam. Dieses Frola sollte für uns Bensheimer ein sehr historisches Ereignis beinhalten. Marc, Marcelo und ich bildeten ein OL-Team, als Anführer verfügte ich über die Kompassgewalt und Kartenkompetenz. Wir starteten temporeich in dieses Rennen und so hatten wir bis zum ersten Stand, der übrigens ganz in der Nähe war, schon eine Gruppe überholt. Schnell erledigten wir den Erste Hilfe Kram und erhielten volle Punktzahl. Meine Route führte jetzt ins Gebirge, ich beschloß eine erste Abkürzung zu nehmen, die querfeldein steil einen Berg hinaufführte. Auf dem Weg kamen uns andere Gruppen entgegen, Marc und Marcelo zweifelten an unserer Richtung, doch wir waren goldrichtig. Bis zum zweiten Stand hatten wir unser hohes Tempo halten, viele Gruppen überholen und unsere ohnehin schon gute Stimmung verbessern können. Das Holzsägen am zweiten Stand packten Marc und Marcelo locker.

Nun war es Zeit für Inschis Geniestreich. Der einzige Weg führte nämlich in einem großem Bogen den Berg herunter, meine Abkürzung führte mitten durch abschüssigstes Gelände und absolut dichten Nadelwald. Um Zeit zu sparen schenkte ich mir das Festlegen einer Marschzahl, wir wanderten möglichst die Richtung haltend nach Süden. Mit mörderischem Tempo heizten wir den Berg herunter, wir sparten etwa 15 Minuten. Am dritten Stand war Brückenbau angesagt, hier fiel die Vorentscheidung über den OL-Gewinn. Unsere größten Konkurrenten die Marienhöher, die am zweiten Stand noch etwa 10 Minuten vor uns lagen, trudelten hier erst nach uns ein. Da sie aber auf die Wartezeit von einer Stunde nicht eingehen wollten, gab es für uns hier die Chance, wertvolle Bigpoints zu sammeln.

Wir überzeugten einige Gruppen vor uns keine Seilbrücke zu bauen, uns vorzulassen usw. Am Ende mussten wir nur 20 Minuten warten. Marcelo und Marc bauten die Brücke in rekordverdächtigen 5 Minuten. Wir robbten alle schnellstmöglich drüber, wobei ich mir meine Kluft aufriß. Wir hatten auch hier die volle Punktzahl erreicht. Nun wurde uns langsam gewiß, dass ein großer Sieg möglich war. Den vierten Stand erreichten wir auch recht zügig, erfüllten die Aufgabe, eine Pyramide aus uns selbst zu bauen, wobei maximal zwei Körperteile den Boden berühren durften, mit Leichtigkeit und eilten weiter. Nun kam ein kritischer Abschnitt meiner Routenplanung. In diesem Abschnitt war unsere Karte alles andere als brauchbar, was auch die OL-Chefplaner am fünften Stand bestätigten, da sie sich selbst bei den Planungen verfranzt hatten.

Wir gerieten auf immer komischere Wege und so standen wir auf einmal vor einem Abhang wo der Weg plötzlich aufhörte. Ziemlich ratlos musste ich zum ersten und einzigen Male zugestehen nicht zu wissen wo genau wir waren. Eine Standortbestimmung war im dichten Wald aussichtslos, mein Rafael Positioning System (RPS), auf das ich mich sonst immer verlassen konnte, hatte eine Funktionsstörung.   

Zum Glück entdeckte Marcelo weiter unten einen Weg, wir rannten herunter, ich wusste wo wir waren, die Jagd ging weiter. Am fünften Stand versuchte sich Marc im Bogenschießen, wegen des schlechten Materials war dies der einzige Stand, an dem wir nicht die volle Punktzahl absahnen konnten.

Von den uns zur Verfügung stehenden 5 Stunden hatten wir 3 verbraucht, wir beschlossen einstimmig die Stationen des Jupfi OLs anzulaufen, für die wir Scouts Pluspunkte bekamen. Trotz des sehr unwegsamen Geländes kamen wir atemberaubend schnell vorwärts. Auf dem Weg zum ersten Jupfistand kam uns ein Trupp Teamer entgegen. Sie waren das Personal des zweiten Jupfistandes. Da dieser Stand aber so abgelegen auf einem Steinplateau im Wald lag, dass sie kaum gefunden worden waren, traten sie den Rückzug an. So holten wir uns in einem Stand gleich zwei Stempel ab. Der Rest war nur noch Formsache. Die restlichen zwei Stände kassierten wir mit links, den abschüssigen Rückweg zum Lager sprinteten wir hinunter. Im Ziel waren wir mit einer sensationellen Traumzeit von 4 Stunden 15 Minuten, also 45 Minuten schneller als erlaubt. Wir hatten in dieser Zeit zwischen 15 und 20 Kilometer abgelaufen.

Doch der Höhepunkt der Gefühle war die Siegerehrung während des Bunten Abends. Die drei besten Teams wurden auf die Bühne gebeten, als unser Teamname „B3“ als Sieger ausgerufen wurde, war unsere Freude und unser jubelndes Regiozentrum total aus dem Häuschen. So etwas hatte es noch nie gegeben, der ewige OL-Fluch war überwunden, Bensheim zum ersten Mal überhaupt Scout OL-Sieger. Diese Leistung wurde durch einen weiteren Sieg gekrönt: Veronika und Julian Macho hatten zusammen mit Ellen und Jeanine den Jupfi-OL gewonnen.